Agentischer Handel: Die hybride Customer Journey
– von Christina Hofer und Ingo Kamps (Münchner Online Rebels) –
Das Einkaufsverhalten der Verbraucher hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Statt klarer, linearer Wege durch Webshops oder stationäre Geschäfte bewegen sich Konsumenten heute flexibel zwischen digitalen und physischen Kontaktpunkten. Apps, Websites, Messenger-Dienste und Ladengeschäfte verschmelzen zu einer hybriden Customer Journey, die zunehmend von Künstlicher Intelligenz (KI) begleitet und mitgestaltet wird. Für Online-Shop-Betreiber und Affiliate Marketer entsteht dadurch eine neue Realität.
Kundenbeziehungen neu denken
Wodurch zeichnet sich ein hybrides Einkaufserlebnis aus?
- Egal ob online oder offline – der Kunde will eine durchgängige, klare Reise ohne Brüche. Ein Wechsel zwischen Kanälen darf nicht dazu führen, dass er „wieder komplett von vorn anfangen muss“.
- Relevante Vorschläge und individuelle Angebote sind erwünscht – aber nicht, wenn der Kunde dafür ständig seine Daten neu eingibt.
- Schutz vor Betrug und Identitätsdiebstahl muss zwingend funktionieren, ohne dabei die Nutzererfahrung zu blockieren. Hier spielt modernes Identitätsmanagement die zentrale Rolle.
Sicherheit und Komfort müssen zusammenspielen
Moderne Lösungen wie passwortlose Anmeldung, adaptive Zugriffsentscheidungen oder biometrische Verfahren können hier helfen – und steigern gleichzeitig das Vertrauen der Nutzer in digitale Angebote.
Händler, die Identität als zentralen Baustein in jedem Kanal verstehen, werden durch geringere Kundenabwanderung, wiederkehrende Kunden und damit stärkere Kundenbindung belohnt.
Wo bleibt das Affiliate Marketing?
Daher muss sich Affiliate Marketing mehr zu einer Art Influencer Marketing auf Datenebene entwickeln. Die Frage nach dem Klick steht dann nicht mehr im Vordergrund. Stattdessen stellt sich die Frage, welcher Publisher die Kaufentscheidung beeinflusst oder vom Agenten als vertrauenswürdige Quelle gewertet wird.
Dazu braucht es auch neue Metriken in der Erfolgsmessung: z. B. Assist-Conversions und identitätsbasierte Attribution. Hierbei wird die Leistung der Affiliates an persistente Nutzeridentitäten, Consent-basierte Login-Daten sowie CRM- und CDP-Integrationen gekoppelt.
Es müssen sicherlich sehr dicke Bretter gebohrt werden, um das Affiliate Marketing aus der alten Last-Cookie-wins-Logik zu führen. Möchte Affiliate Marketing aber seinen Platz in der identitätsbasierten Zukunft finden, sind diese neuen Betrachtungen unerlässlich. Wird dieser Sprung geschafft, kann er dafür sorgen, dass sich Affiliate-Leistungen auch dann vergüten lassen, wenn der Sale erst später, auf einem anderen Gerät oder eben durch einen Agenten oder anderen Kanal ausgeführt wird.